Pro Bahn: Das 49-Euro-Ticket – ein Ticket mit Fragezeichen

PRO BAHN: Neun-Euro-Ticket-Nachfolge richtig – jetzt attraktiv ausgestalten!

 

Der Fahrgastverband PRO BAHN e.V. begrüßt, dass jetzt, wie gefordert, mit dem 49-Euro-Ticket ein Nachfolgeticket für das Neun-Euro-Ticket eingeführt werden soll. Zu dem geplanten Ticket gibt es jedoch noch Kritik und Fragen. Deren Beantwortung darf allerdings die Einführung nicht verzögern.

 

Der Fahrgastverband PRO BAHN sieht die Einführung des geplanten 49-Euro-Tickets positiv. Zum ersten mal überhaupt wird ein dauerhaftes und deutschlandweit gültiges Ticket für den gesamten öffentlichen Nahverkehr geschaffen. Selbst die BahnCard 100 gilt bis heute nur selten außerhalb der großen Städte. Bei der Umsetzung müssen aber noch einige Fragen beantwortet werden.

Der am häufigsten geäußerte Kritikpunkt ist, dass das Ticket nur online zu erhalten sein soll. „Das schließt Fahrgäste, die kein Smartphone haben, nicht haben wollen oder damit technisch überfordert von der Teilhabe am 49-Euro-Ticket aus“, sagt der Bundesvorsitzende Detlef Neuß. „Hier muss eine Lösung gefunden werden, die allen Fahrgästen den Erwerb dieses Tickets ermöglicht. ChipKarten-Lösungen vieler Verbünde zeigen, dass dies auch ‚digital‘ möglich ist.“

Weiterhin müssen auch die Pendler berücksichtigt werden, die den Fernverkehr nutzen. Ebenso muss das Ticket in allen öffentlichen Verkehrsmitteln gelten, auch in Bürgerbussen und On-Demand-Verkehren, wie z. B. Anruf-Sammel-Taxis.

Auch für Fahrgäste mit geringem Einkommen sollte ein Ticket zu einem geringeren Preis angeboten oder das Budget für Mobilität beim Arbeitslosengeld II bzw. dem neuen Bürgergeld angehoben werden. Für die Empfänger von Transferleistungen ist ein Ticket für 49 Euro oft noch zu teuer. Die dadurch entstehende Einnahmenlücke darf natürlich nicht zu Lasten der Verkehrsunternehmen gehen, sondern muss aus dem Sozialetat finanziert werden.

Schon jetzt befürchten Verkehrsunternehmen, die Einnahmeausfälle durch Angebotskürzungen gegenfinanzieren zu müssen. Das betrifft dann vor allem Angebote im ländlichen Raum und geringer genutzte Linien. „Eine Finanzierung des 49-Euro-Tickets durch die Regionalisierungsmittel setzt eine massive Erhöhung dieser Mittel voraus“, bemerkt der stellvertretende Bundesvorsitzende Andreas Schröder. „Mit Angebotskürzungen ist die notwendige Verkehrswende nicht zu schaffen. Das gelingt nur mit einer Ausweitung des Angebots.“ Hier ist die Politik gefordert, mehr Geld in den öffentlichen Personennahverkehr zu investieren, gegebenenfalls auch auf Kosten des motorisierten Individualverkehrs. In der Vergangenheit wurden die Regionalisierungsmittel oft zweckentfremdet genutzt. Das darf in Zukunft nicht mehr vorkommen.

Vor allem Pendler werden das günstige 49-Euro-Ticket gerne nutzten, da sie im Vergleich mit den Abo-Angeboten der Verkehrsverbünde deutlich weniger bezahlen müssen. Die dadurch entstehenden Einnahmeausfälle dürfen auf keinen Fall zu Lasten der Verkehrsunternehmen gehen. Für mehr Fahrgäste werden zusätzliche finanzielle Mittel für eine Ausweitung des Angebots benötigt, da sonst diese an sich gute Maßnahme zum Schaden der Verkehrswende verpufft. Übervolle und dadurch verspätete Pendlerzüge, wie sie zu Neun-Euro-Ticket-Zeiten vorkamen, schrecken Pendler eher ab.

Es stellt sich auch die Frage nach bei den Fahrgästen beliebten Zusatznutzen, wie z.B. die Fahrrad- oder Hundemitnahme, die Mitnahme zusätzlicher Personen am Wochenende und die Nutzung der 1. Klasse, selbstverständlich gegen einen entsprechenden Aufpreis. Auch die Möglichkeit des Übergangs zum Fernverkehr und ins Ausland ist zu berücksichtigen.

Diese Fragen, kann man sicher nicht gleich alle zu Anfang beantworten. Auf keinen Fall darf die Diskussion darüber also die Einführung des Tickets und die dauerhafte Entlastung zahlreicher Fahrgäste verzögern. Gerade auch, weil im Dezember und Januar in vielen Verbünden sonst exorbitante Preissprünge anstünden. Man sollte diese Fragen aber nicht aus den Augen verlieren und möglichst schnell abschließend beantworten.

Rückfragen bitte an
Detlef Neuß, Bundesvorsitzender, Tel.: +49 170 5853246, E-Mail: neuss@probahn-nrw.de
oder Dr. Andreas Schröder, stellvertretender Bundesvorsitzender E-Mail: andreas.schroeder@pro-bahn.de, Tel: +49 177 1984566
v.i.S.d.P.: Detlef Neuß

 

Quelle: Pro Bahn Pressemitteilung

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19. Oktober 2022

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